Echinacea purpurea zur Behandlung von Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen bei Kindern – Was sagt die Forschung?

Veröffentlicht am 29. April 2025 | Pham TPT et al.
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Echinacea purpurea ist eine Pflanzenart, die häufig als Nahrungsergänzung oder pflanzliches Heilmittel zur Unterstützung der Immunabwehr eingesetzt wird – besonders bei Erkältungen und Atemwegsinfektionen. Diese wissenschaftliche Arbeit fasst in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse die Ergebnisse aus mehreren kontrollierten Studien an Kindern zusammen, die untersuchten, ob Echinacea bei oberer Atemwegsinfektion (URTI)und Mittelohrentzündung (Otitis media) helfen kann. 

Insgesamt wurden 9 gut kontrollierte Studien mit knapp über 3 000 Teilnehmern ausgewertet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Echinacea bei Kindern:

  • die Häufigkeit von Atemwegsinfektionen verringern kann — es traten seltener Infekte auf als ohne Echinacea.

  • die Dauer der Beschwerden verkürzen kann, was für Eltern besonders wichtig sein kann.

  • den Bedarf an Antibiotika reduziert, weil weniger Komplikationen auftraten. 

Auch bei Mittelohrentzündungen zeigte Echinacea eine verringerte Anzahl von Episoden, allerdings war die Wirkung bei der Dauer der Beschwerden weniger klar. Insgesamt waren unerwünschte Wirkungen meist mild, jedoch etwas häufiger als in der Placebogruppe. 

Fazit: Echinacea purpurea kann bei Kindern dazu beitragen, dass Atemwegsinfekte seltener auftreten, leichter verlaufen und weniger Antibiotika notwendig werden — sie ist dabei insgesamt gut verträglich, wenngleich weitere Forschung zur optimalen Anwendung nötig ist

Hintergrund

Atemwegsinfektionen zählen zu den häufigsten Beschwerden bei Kindern weltweit und können zu Komplikationen wie Mittelohrentzündungen führen. Neben klassischen Therapien suchen viele Eltern nach pflanzlichen oder ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten mit günstigem Sicherheitsprofil. Echinacea purpurea wird seit langem in der Volksmedizin verwendet, um das Immunsystem zu unterstützen und Infekte abzufedern. Die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Pflanze bei Kindern ist jedoch wissenschaftlich umstritten, weshalb diese systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse die bisherige Evidenz zusammenführt. 

Ziel der Untersuchung

Ziel war es, den Effekt und die Sicherheit von Echinacea purpurea auf die Behandlung von oberer Atemwegsinfektion (URTI) und Mittelohrentzündung (Otitis media) bei Kindern zu bewerten. Dazu wurden mehrere Datenbanken (Embase, Cochrane Central, PubMed, ClinicalTrials.gov) systematisch nach geeigneten randomisierten kontrollierten Studien durchsucht, die zwischen Januar 2000 und Dezember 2023 veröffentlicht wurden. 

Methodik

Insgesamt 9 randomisierte, kontrollierte Studien mit mehr als 3 000 Teilnehmern wurden in die Metaanalyse aufgenommen. Die Studien variierten in Bezug auf Echinacea-Produkt (inklusive verschiedener Extrakte und Präparate), Dosierung und Dauer der Anwendung. Die methodologische Qualität wurde anhand etablierter Kriterien bewertet, wobei drei Studien als sehr gut, fünf als gut und eine als moderate Qualität eingestuft wurden. Die Meta-Analyse wurde gemäß PRISMA-Richtlinien und mit standardisierten statistischen Methoden durchgeführt. 

Ergebnisse

Effekt auf obere Atemwegsinfektionen (URTI)

  • Reduzierte Häufigkeit von Infektionen: Kinder, die Echinacea erhielten, erkrankten seltener an URTI im Vergleich zu Placebo.

  • Verkürzte Behandlungsdauer: Die Dauer der Infektion war bei behandelten Kindern im Durchschnitt kürzer.

  • Reduzierte Antibiotikanutzung: Kinder in der Echinacea-Gruppe benötigten seltener Antibiotika, was ein wichtiges Ergebnis hinsichtlich Schonung von Antibiotikaressourcen darstellt.

    Diese Effekte waren statistisch signifikant. 

Wirkung auf Mittelohrentzündungen (Otitis media)

Echinacea wirkte sich ebenfalls darauf aus, die Anzahl der Mittelohrentzündungsfälle zu reduzieren, zeigte jedoch keinen klaren Einfluss auf die Dauer der Erkrankung, was vermutlich damit zusammenhängt, dass Mittelohrentzündungen häufig eine bakterielle Komponente haben, die eine antibiotische Therapie erforderlich machen kann. 

Sicherheit und Nebenwirkungen

Insgesamt war Echinacea purpurea gut verträglich. Die Analyse zeigte jedoch eine moderate Zunahme von milden Nebenwirkungen (etwa gastrointestinale Beschwerden oder Hautreaktionen) im Vergleich zu Placebo. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren selten. 

Bewertung der Studienlage

Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich in Präparatform, Dosen und Studiendesign, was zu einer gewissen Heterogenität führt. Zudem war die Bandbreite der untersuchten Altersgruppen und Krankheitsschwere unterschiedlich, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse etwas erschwert. Trotz dieser Einschränkungen zeigen die konsistenten Trends der Metaanalyse ein klares Muster zugunsten von Echinacea purpurea bei URTI-Prophylaxe und -Behandlung. 

Schlussfolgerung

Die Metaanalyse liefert evidenzbasierte Hinweise, dass Echinacea purpurea bei Kindern mit oberer Atemwegsinfektion

  • die Infektionshäufigkeit senken,

  • die Dauer der Erkrankung verkürzen und

  • den Bedarf an Antibiotika reduzieren kann.

Auch bei Mittelohrentzündungen zeigte sich ein Rückgang der Episoden. Die Ergebnisse sind vielversprechend, allerdings wird in der Studie betont, dass weitere qualitativ hochwertige, standardisierte Untersuchungen nötig sind, um optimale Formulierungen, Dosen und Anwendungszeiträume klarer festzulegen

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