Isotonisches Meerwasser lindert trockene Augen wirksamer als klassische künstliche Tränen

Veröffentlicht am 17. Juli 2019 | Diaz-Llopis M et al.
EntzündungenEntzündungshemmendEntzündungsreaktionenMineralstoffeAugenTränenJuckreizRötungTrockenheitBrennenFremdkörpergefühlDry Eye SyndromeChronische Beschwerden

Trockene Augen sind eine häufige und oft sehr belastende Erkrankung, besonders im höheren Lebensalter. Betroffene leiden unter Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung, Juckreiz und schneller Ermüdung der Augen – etwa beim Lesen oder Arbeiten am Bildschirm. Üblicherweise werden künstliche Tränen eingesetzt, die jedoch häufig nur kurzzeitig helfen.

In dieser klinischen Studie wurde untersucht, ob steriles isotonisches Meerwasser zur Augenreinigung und -befeuchtung wirksamer ist als herkömmliche künstliche Tränen auf Basis von Carmellose.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Menschen, die regelmäßig isotonisches Meerwasser anwendeten, berichteten über eine stärkere und anhaltendere Linderung ihrer Beschwerden. Besonders Symptome wie Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Rötung und Fremdkörpergefühl besserten sich spürbar stärker als bei der Anwendung künstlicher Tränen.

Ein weiterer wichtiger Befund war die deutliche Abnahme entzündlicher Botenstoffe in der Tränenflüssigkeit. Diese Stoffe spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des trockenen Auges.

Das Meerwasser wurde sehr gut vertragen, Nebenwirkungen traten nicht auf.

Fazit: Isotonisches Meerwasser stellt eine gut verträgliche und wirksame Alternative zu klassischen künstlichen Tränen dar und kann Beschwerden bei trockenen Augen deutlich lindern.

Hintergrund

Das trockene Auge (Dry Eye Syndrome) ist eine multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche, die durch eine gestörte Stabilität des Tränenfilms und chronische Entzündungsprozesse gekennzeichnet ist. Neben dem unangenehmen Fremdkörpergefühl beeinträchtigt die Erkrankung die Sehqualität und die Lebensqualität erheblich.

Künstliche Tränen sind die Standardtherapie, bieten jedoch häufig nur eine kurzfristige Benetzung, ohne die zugrunde liegenden entzündlichen Prozesse ausreichend zu beeinflussen. Daher besteht ein Bedarf an Therapieformen, die sowohl lindernd als auch entzündungsmodulierend wirken.

Isotonisches Meerwasser besitzt eine besondere Mineralstoffzusammensetzung mit hohem Anteil an Magnesium, Kalium und Bicarbonat sowie einem vergleichsweise niedrigen Natriumgehalt. Diese Eigenschaften lassen entzündungshemmende, reinigende und befeuchtende Effekte erwarten.

Studiendesign

Die Studie wurde als prospektive, randomisierte, multizentrische Vergleichsstudie durchgeführt. Teilnehmer mit moderatem bis schwerem trockenem Auge wurden über zwölf Wochen entweder mit:

  • einem sterilen isotonischen Meerwasserspray oder

  • künstlichen Tränen auf Carmellose-Basis

behandelt. Beide Anwendungen erfolgten mehrfach täglich.

Erfasst wurden subjektive Beschwerden, klinische Befunde der Augenoberfläche sowie entzündliche Marker in der Tränenflüssigkeit.

Zentrale Ergebnisse

 

Deutlich stärkere Symptomlinderung

Patienten, die isotonisches Meerwasser verwendeten, zeigten eine deutlich stärkere Verbesserung ihrer subjektiven Beschwerden. Besonders ausgeprägt war die Linderung bei Reizsymptomen wie Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Rötung und Fremdkörpergefühl.

Reduktion entzündlicher Prozesse

In der Meerwassergruppe kam es zu einer signifikanten Abnahme wichtiger entzündlicher Botenstoffe in den Tränen. Diese Reduktion war ausgeprägter als bei der Anwendung künstlicher Tränen und deutet auf einen aktiven entzündungshemmenden Effekt hin.

Vergleichbare Wirkung auf die Augenoberfläche

Beide Behandlungsformen verbesserten objektive Befunde an Horn- und Bindehaut. Zwischen den Gruppen zeigten sich hier keine wesentlichen Unterschiede, was darauf hindeutet, dass Meerwasser die Augenoberfläche mindestens ebenso gut schützt wie künstliche Tränen.

Sehr gute Verträglichkeit

Das isotonische Meerwasser wurde von allen Teilnehmern gut vertragen. Es traten weder Reizungen noch Nebenwirkungen auf, was eine häufige und langfristige Anwendung ermöglicht.

Wirkmechanismen

Die Autoren führen die Wirkung von Meerwasser auf mehrere Faktoren zurück:

  • Befeuchtung der Augenoberfläche

  • Verdünnung und Auswaschung entzündlicher Substanzen

  • Entzündungshemmende Wirkung der Mineralstoffe

  • Mechanischer Reinigungseffekt („Wasch- und Spüleffekt“) statt reiner Schmierung

Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von künstlichen Tränen, die primär nur benetzen.

Bedeutung für Praxis und Versorgung

Die Ergebnisse zeigen, dass isotonisches Meerwasser nicht nur eine symptomlindernde, sondern auch eine pathophysiologisch sinnvolle Ergänzung in der Behandlung des trockenen Auges darstellt. Besonders bei chronischen Beschwerden und unzureichendem Ansprechen auf künstliche Tränen kann es eine wertvolle Alternative sein.

Schlussfolgerung

Isotonisches Meerwasser ist eine sichere, gut verträgliche und wirksame Behandlungsoption bei trockenem Auge. Es reduziert Symptome stärker als herkömmliche künstliche Tränen und senkt gleichzeitig entzündliche Prozesse an der Augenoberfläche.

Die Studie legt nahe, dass Meerwasser nicht nur als Befeuchtungsmittel, sondern als funktionelle Therapie zur Unterbrechung des Entzündungskreislaufs beim trockenen Auge eingesetzt werden kann.

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