Polyphenolreiche Ernährung ist mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden

Veröffentlicht am 27. November 2025 | Li Y et al.
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass eine pflanzenbetonte Ernährung mit einem hohen Gehalt an Polyphenolen – sekundären Pflanzenstoffen aus Obst, Gemüse, Tee, Kaffee, Kakao, Nüssen oder Olivenöl – einen wichtigen Beitrag zur Herzgesundheit leisten kann. Bisher war jedoch unklar, wie sich das gesamte Ernährungsverhalten und die tatsächliche Aufnahme dieser Pflanzenstoffe langfristig auf das Herz-Kreislauf-Risiko auswirken.

In dieser groß angelegten Langzeitstudie wurden über 3.100 Erwachsene aus der britischen TwinsUK-Kohorte über einen Zeitraum von durchschnittlich mehr als elf Jahren begleitet. Zusätzlich wurden bei einer Untergruppe Polyphenol-Metaboliten im Urin bestimmt, um die tatsächliche Aufnahme objektiv zu erfassen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit einer polyphenolreichen Ernährungsweise ein signifikant geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen. Besonders deutlich waren die Zusammenhänge für Flavonoide und phenolische Säuren – Pflanzenstoffe, die unter anderem in Beeren, Äpfeln, Zitrusfrüchten, Tee, Kaffee und Kakao vorkommen. Gleichzeitig wurden günstigere Blutdruckwerte und höhere HDL-Cholesterinwerte beobachtet. Die Analysen der Urinproben bestätigten diese Zusammenhänge weitgehend und stützten damit die Aussagekraft der Ernährungsdaten.

Fazit: Die Studie liefert überzeugende Hinweise darauf, dass eine langfristig polyphenolreiche Ernährung mit einer besseren Herz-Kreislauf-Gesundheit verbunden ist. Die Autoren sehen insbesondere Flavonoide und phenolische Säuren als wichtige Bestandteile einer herzgesunden Ernährung. Gleichzeitig betonen sie, dass weitere Interventionsstudien notwendig sind, um die beobachteten Zusammenhänge kausal zu bestätigen.

Hintergrund

Polyphenole bilden eine große Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, die natürlicherweise in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Besonders reich an Polyphenolen sind Tee, Kaffee, Obst, Gemüse, Beeren, Kakao, Nüsse, Olivenöl sowie einige Vollkornprodukte. Zahlreiche experimentelle und klinische Studien haben gezeigt, dass Polyphenole unter anderem antioxidative, entzündungshemmende und gefäßschützende Eigenschaften besitzen. Darüber hinaus können sie die Endothelfunktion verbessern, die Oxidation von LDL-Cholesterin hemmen und die Blutdruckregulation unterstützen.

Die Erfassung der tatsächlichen Polyphenolaufnahme ist jedoch schwierig, da deren Gehalt in Lebensmitteln erheblich schwanken kann und herkömmliche Ernährungsfragebögen diese Aufnahme nur eingeschränkt abbilden. Aus diesem Grund entwickelten die Autoren einen speziellen Polyphenol-rich Dietary Score (PPS-D), der die regelmäßige Aufnahme von 20 besonders polyphenolreichen Lebensmittelgruppen bewertet. Ergänzend wurde ein metabolischer Polyphenol-Score (PPS-M) anhand charakteristischer Polyphenol-Metaboliten im Urin erstellt, um die Ernährungsangaben objektiv zu überprüfen.

Methoden

Die Untersuchung basiert auf Daten von 3.110 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der britischen TwinsUK-Kohorte, die durchschnittlich über 11,2 Jahre nachbeobachtet wurden. Die Ernährungsgewohnheiten wurden mithilfe eines validierten Ernährungsfragebogens erfasst und daraus der Polyphenol-Ernährungsscore berechnet. Gleichzeitig wurden etablierte Marker des Herz-Kreislauf-Risikos bestimmt, darunter systolischer und diastolischer Blutdruck, Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin sowie zwei international anerkannte Herz-Kreislauf-Risikoscores (ASCVD Risk Score und HeartScore).

Zusätzlich analysierten die Forschenden bei einer Untergruppe von 200 Personen insgesamt 114 Polyphenol-Metaboliten im Urin mittels moderner Massenspektrometrie. Dadurch konnten die über Fragebögen erhobenen Ernährungsdaten objektiv überprüft und mit den kardiovaskulären Risikomarkern verglichen werden.

Ergebnisse

Die Auswertung zeigte einen konsistenten Zusammenhang zwischen einer höheren Aufnahme polyphenolreicher Lebensmittel und einem geringeren langfristigen Herz-Kreislauf-Risiko. Teilnehmer mit höheren PPS-D-Werten wiesen niedrigere Werte sowohl im ASCVD Risk Score als auch im europäischen HeartScore auf. Diese Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Alter, Körpergewicht, Energieaufnahme oder Ballaststoffzufuhr bestehen.

Besonders ausgeprägt waren die positiven Assoziationen für Flavonoide, phenolische Säuren und Tyrosolderivate. Diese Polyphenolgruppen standen mit günstigeren Blutdruckwerten, höheren HDL-Cholesterin-Konzentrationen sowie niedrigeren Herz-Kreislauf-Risikoscores in Zusammenhang. Auch die Analyse der Urinproben bestätigte diese Beobachtungen weitgehend: Mehrere charakteristische Metaboliten dieser Polyphenolklassen waren mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko assoziiert.

Interessant ist, dass der entwickelte Polyphenol-Ernährungsscore stärkere Zusammenhänge mit dem Herz-Kreislauf-Risiko zeigte als die Betrachtung einzelner Lebensmittel oder einzelner Polyphenolklassen. Dies spricht dafür, dass nicht einzelne Lebensmittel, sondern das gesamte Ernährungsverhalten entscheidend ist. Die Autoren führen dies auf synergistische Effekte verschiedener pflanzlicher Lebensmittel zurück.

Zu den wichtigsten Quellen der aufgenommenen Polyphenole gehörten in dieser britischen Population Tee und Kaffee, gefolgt von Obst, Kakao, Vollkornprodukten, Nüssen und Gemüse. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass sich die wichtigsten Polyphenolquellen je nach Ernährungsgewohnheiten anderer Länder unterscheiden können.

Schlussfolgerung

Die Studie liefert starke epidemiologische Hinweise darauf, dass eine langfristig polyphenolreiche Ernährung mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Besonders Flavonoide und phenolische Säuren scheinen hierbei eine bedeutende Rolle zu spielen. Hervorzuheben ist, dass die Ergebnisse nicht nur auf Ernährungsfragebögen beruhen, sondern zusätzlich durch objektive Biomarker im Urin gestützt werden, was die Aussagekraft der Untersuchung deutlich erhöht.

Die Autoren sehen in polyphenolreichen Ernährungsweisen ein vielversprechendes Konzept zur langfristigen Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass weitere kontrollierte Interventionsstudien erforderlich sind, um die beobachteten Zusammenhänge kausal zu bestätigen und konkrete Ernährungsempfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen abzuleiten.

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